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So früh wie irgend möglichVom stiergroßen Röntgenapparat zum Spezialsystem für die Mammographie

Philip Strax trägt wesentlich dazu bei, der Mammographie zum Durchbruch zu verhelfen

Philip Strax trägt wesentlich dazu bei, der Mammographie zum Durchbruch zu verhelfen 

Alle Geschichten aus der Pionierzeit der Röntgentechnik erzählen von brillanten, oft sogar von faszinierenden Persönlichkeiten. Manchmal beginnen die Forschungen dieser Pioniere mit einer genialen Idee, manchmal mit einer bahnbrechenden Entdeckung – und manchmal, wie im Falle des Radiologen Philip Strax, mit einer persönlichen Angelegenheit im Leben des Wissenschaftlers. Strax betreibt als Allgemeinarzt eine kleine Praxis in Manhattan, als ihn und seine Familie eine schockierende Nachricht erreicht: Seine Ehefrau, Bertha Goldberg Strax, erkrankt an Brustkrebs und stirbt 1947 im Alter von 39 Jahren. Philip Strax beschließt, sein Berufsleben dem Ziel zu widmen, so viele Menschen wie möglich vor diesem Schock zu bewahren, besonders natürlich die Patientinnen.


Im Jahre 1963 sucht Strax zusammen mit seinem Team nach der nützlichsten Methode, Brustkrebs so früh wie möglich zu erkennen, um radikale Operationen tunlichst zu vermeiden. Ihr zentrales Forschungsmittel – eine Reihenuntersuchung von rund 62.000 New Yorker Frauen – ist vom erste Tage an eine Art großes logistisches Abenteuer: Da die meisten Krankenhäuser der Stadt zu dieser Zeit im Norden liegen, wollen viele Frauen nicht den weiten Weg dorthin auf sich nehmen – doch Philip Strax persönlich versucht sie mit Briefen und Telefonaten zur Teilnahme zur überreden. Das Team stattet einen Lieferwagen mit einem Röntgengerät aus, parkt ihn in der Mitte Manhattans zwischen Eiswagen und Sandwichverkäufern, und untersucht die Probandinnen dort während ihrer Mittagspause.

Damit die teilnehmenden Kliniken jeden Tag mehrere Tausend Mammographien durchführen können, werden die Frauen von früh bis spät durch einen karussellähnlichen Bau mehrerer Umkleiden geschleust. Jede Station, jedes Betreten der Kabinen und jedes An- und Auskleiden sind bis auf die Minute getaktet. „Um den Durchsatz zu beschleunigen, wird auf Annehmlichkeiten wie Stühle und Spiegel verzichtet.“ Das Ergebnis dieser bis dahin größten Untersuchung zur Nützlichkeit der Mammographie: Bei mehreren Frauen sind Tumoren rechtzeitig erkannt und behandelt worden, so dass unter den Teilnehmerinnen der Reihenuntersuchungen fast 40 Prozent weniger an Brustkrebs gestorben sind als aus der Kontrollgruppe. Philip Strax schreibt voller Begeisterung: „Der Radiologe ist zum potentiellen Retter von Frauen – und ihren Brüsten – geworden.“ 

The first “real” Siemens mammography system in 1972

Im MAMMOMAT sind Röntgenröhre, Tubus und Röntgenfilm in der sogenannten Mammographie-Einheit fest miteinander verbunden, 1972 

Die Mammographie steckt Mitte der 1960er Jahre noch in den Kinderschuhen. Nur wenige, sehr erfahrene Spezialisten nutzen „Maschinen, so groß wie ausgewachsene Stiere“, um das Brustgewebe ihrer Patientinnen abzubilden. Die noch junge Diagnosemethode erfordert vom Untersucher großes Geschick und stellt außergewöhnliche Ansprüche an die Technik. Dass die Mammographie für die Krebsvorsorge in Zukunft immer wichtiger werden wird, ist jedoch bereits zu dieser Zeit offensichtlich. „Unter diesen Gesichtspunkten hielten wir es für erforderlich“, erklären einige Ingenieure von Siemens im Jahre 1971, „für die Mammographie ein Spezialgerät zu entwickeln, das eine schnelle und einfache Bedienung ermöglicht und zugleich eine optimale Aufnahmequalität ergibt.“ Beim Siemens MAMMOMAT sind keine mühsamen Einstellungen und Anpassungen des Röntgengeräts nötig. Die auf die Brustdiagnostik optimierte Röntgenröhre macht bis zu 0,1 Millimeter kleine Strukturen im Gewebe sichtbar. „Mit dem MAMMOMAT steht nunmehr ein Gerät zur Verfügung, das durch seine einfache Handhabung, vor allem aber wegen der erzielbaren hohen Aufnahmequalität und der geringen Strahlenbelastung der Patientin für die allgemein als dringlich erkannte Krebsvorsorgeuntersuchung geeignet ist.“

Im Jahre 2008 sind weltweit 34 „Mammo-Mobile“ rund um den Globus unterwegs

Im Jahre 2008 sind weltweit 34 „Mammo-Mobile“ rund um den Globus unterwegs 

Auf der Basis unseres ersten MAMMOMAT haben wir die Mammographie mit zahlreichen neuen Technologien geprägt. Mit der Zeit beeinflussten die zunehmende Automatisierung und Digitalisierung beinahe alle Eigenschaften der MAMMOMAT-Familie. Neben der Entwicklung großer Meilensteine wie der Tomosynthese – mit der sich seit 2009 dreidimensionale Aufnahme der Burst erzeugen lassen – tragen wir mit vielen Aktionen zur Aufklärung über die Bedeutung der Früherkennung bei. Etwa 45 Jahre nachdem Philip Strax Frauen während ihrer Mittagspause in einem Lieferwagen in Manhattan auf Brustkrebs untersucht hat, sind in mehreren Ländern rund um den Globus „Mammo-Mobile“ von Siemens unterwegs. Im Inneren dieser mobilen Mammographie-Einheiten befindet sich ein kleiner, voll funktionsfähiger Untersuchungsraum mit einem MAMMOMAT Inspiration. Mithilfe der Mammo-Mobile möchte Siemens im Jahre 2008 ermöglichen, dass sich interessierte Frauen in ländlicheren Gebieten über das Thema Brustkrebs informieren und auf Wunsch vor Ort untersuchen lassen können. 

„Turn your city pink!“ – Collage nach einem Jahr Kampagne mit tausenden Fotos aus 76 Ländern

„Turn your city pink!“ – Collage nach einem Jahr Kampagne mit tausenden Fotos aus 76 Ländern 

Unter dem Motto „Turn your city pink! – Farbe bekennen gegen Brustkrebs“ sind zwischen Oktober 2011 und Oktober 2012 in 76 Ländern tausende Fotos und Videos entstanden, mit denen die Teilnehmer der Aktion so kreativ und öffentlichkeitswirksam wie möglich die zentrale Idee der Kampagne vermitteln: Menschen weltweit dazu aufrufen, sich mit dem Thema Früherkennung zu beschäftigen und selbst aktiv zu werden.